Heiligenbilder/Devotionalien

Mythen und Ikonen unserer Alltagskultur sind Gegenstand meiner Arbeit und werden Teil einer fiktiven Strategie, deren Thema das weltweit omnipräsente Ringen um Definitionsmacht ist. Weitgehend losgelöst aus ihrem religiösen Ursprung üben erstere, scheinbar ungebrochen, eine enorme Anziehungskraft aus und entwickeln dabei ein oftmals erstaunliches Eigenleben. So bedient sich, mehr oder weniger, fast jeder von uns dieser traditionellen Mittel und schafft sich beispielsweise eine „Kult-Stätte“ für seine Fußball-Idole, Pop-Ikonen, oder auch die „Ahnen- Galerie“. Sichtbar wird dies vor allem im ewigen Spiel des Aufgreifens, Besetzens und Neubildens, das mit der Werbung nahezu alle Bereiche des öffentlichen, wie des privaten Lebens erobert hat und damit auch einen Prozess dauernder Umkehrungen in Gang setzt.

Die sich daraus ergebenden Überschneidungen und Vermischungen führen dazu, die Dinge in einen jeweils anderen Zusammenhang zu stellen und ihnen eine neue, sehr individuelle Bedeutung zu verleihen. Dieser endlose Umkehrprozess, der sich in einem ständigen Spannungsfeld zwischen Absurdität und heiligem Ernst bewegt, bietet neben einer gewissen Komik auch unendliche Möglichkeiten des Mit-Spielens, die es unbedingt zu nutzen gilt: Dinge, die mir im Alltag begegnen (dem Realen, wie auch Bildern, Filmen, etc.) werden nun zu Darstellern einer sehr persönlichen Mythologie.
Es entsteht ein in sich geschlossenen System, in das alles Vorgefundene nach Belieben eingefügt werden kann. Der Prozess der Aneignung ist dabei von entscheidender Bedeutung. Ebenso wichtig, und dies entsprechend gleichermassen auf der inhaltlichen,wie der formalen Ebene, ist die beschriebene mehrfache Umkehrung.

Was zunächst zu zwei entscheidenden Frage führt: lebt ein Mythos durch mich, oder ich durch ihn – und wer ist dann echt? Und: wird also alles erst wahr(genommen) durch die individuelle, d.h. emotionale In-Besitznahme kollektiver Assoziationen?
Ausgehend davon, dass ich die erste Frage zu meinen Gunsten und die zweite Frage mit „ja“ beantworte, bediene ich mich der Mittel zur Herstellung von Mythen und Ikonen unserer Alltagskultur und entwickle daraus verschiedene Formen der medialen Umsetzung, die sich die Grenzaufhebungen zunutze machen und den Versatzstücken meiner privaten Mythologie den Nimbus der Allgemeingültigkeit verleihen.